Vorträge auf dem Kunstpädagogischen Tag 2018
Stefan Lausch: Die Welt als Puzzle nicht passender Teile
War die Collage der klassischen Moderne ein Ausdrucksmittel, die Wesenhaftigkeit der fortschrittsorientierten und doch oftmals grob zerstörerischen Zivilisationsbrüche jener Zeit durch das Zusammenbringen disparater Teile bildnerisch sichtbar zu machen, so erleben wir heute die – sich energisch digitalisierende – Welt selbst als eine Ansammlung / einen Haufen von nicht oder nur lose miteinander verbundenen Bildern und Informationen, Meinungen, Wünschen und Ängsten. Wir leben inmitten eines chaotischen Puzzles nicht zusammenpassender Teile, so zumindest ein weitverbreitetes Lebensgefühl. Der Vortrag wird zunächst wesenhafte Kriterien für die Collage darstellen, um darauffolgend das erwähnte Chaos zu beschreiben und am Ende einen Vorschlag zu unterbreiten, wie die Collage – auch für den kunstpädagogischen Unterricht – heute als kritisch-kreatives Mittel gestalterischer Auseinandersetzung mit der erlebbaren Wirklichkeit aktiviert werden könnte.
Prof. Stefan Lausch lehrt seit 2008 Grundlagen der Gestaltung an der Folkwang Universität der Künste, Essen. Er studierte Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine künstlerischen Arbeiten werden in zahlreichen Einzel- und Gruppenaustellungen gezeigt und sind in bedeutenden Sammlungen vertreten.

Matthias Winzen: Paradoxien des Sammelns
Collagen sind Ansammlungen. Manchmal treffen die Materialen erst in der Collage aufeinander, manchmal geht der Collage gezieltes Sammeln von geeigneten Materialien voraus. Wie aber sammeln Künstler? Was unterscheidet künstlerisches Sammeln von alltäglichem, behördlichem, wissenschaftlichem Sammeln? Beim normalen oder alltäglichen Sammeln ergeben sich unausweichlich Paradoxien im Umgang mit dem Gesammelten. Anders als das alltägliche Sammeln übergeht das künstlerische Sammeln diese Paradoxien nicht, sondern macht sie zu seinem eigentlichen Thema. Die Collage entsteht aus Widersprüchen.
Prof. Dr. Matthias Winzen vertritt das Lehrgebiet Kunstgeschichte und Kunsttheorie an der HBKsaar, wo er u. a. die Masterstudiengänge Kuratieren und Museumspädagogik verantwortet. Zudem ist er Direktor des Museums LA 8 in Baden-Baden.

Workshops auf dem Kunstpädagogischen Tag 2018
Monika Künzel: Fein, grob und überraschend.
Aus verschieden strukturierten Papieren, die teils aus Frottage, Druck oder aus vorgefundenen Materialien (Zeitungs-, Servietten- oder Geschenkpapieren, sowie Tickets, Fotos oder Etiketten usw.) bestehen, werden Kompositionen experimentell – wie ein Puzzle – zusammengesetzt. Die Art der Gestaltung kann sowohl formal abstrakt, als auch ornamental strukturiert, oder auch an Gegenstände angelehnt ausfallen. Man kann dabei dem Zufall Raum geben oder persönlichen Assoziationen folgen. Auf jeden Fall wird´s visuell überraschend.
Die Teilnehmer/innen werden gebeten, Klebstift, Schere, Block und Fund-Papiere mitzubringen.
Monika Künzel studierte an der Werkkunstschule in Krefeld und an der Fachhochschule Saarbrücken. Sie ist tätig als Künstlerin mit Ausstellungen im In- und Ausland, als Kunstpädagogin und Designerin und und gründete eine private Malschule in Riegelsberg.

Ulrich Kerker: (Papier) Chine collé
Mit Hilfe der Drucktechnik der Radierung kleben wir ein dünnes, von der Rückseite eingeleimtes Papier (z.B. Japanpapier, Seidenpapier, Zeitungsausschnitte) ganzflächig oder teilweise mit dem Druck der Radierplatte auf das dicke, vorher eingeweichte Tiefdruckbütten und erzielen mit dieser engen Verbindung von der Zeichnung der Radierung und den unterschiedlichen daraufgeklebten Materialien überraschende Ergebnisse dieser etwas ausgefallenen Art der Collage.
Falls eine fertige Radierplatte vorhanden sein sollte, bitte mitbringen! Ansonsten wird vormittags in der Werkstatt eine Kaltnadelplatte hergestellt und nachmittags dann mit den aufzuklebenden Papieren experimentiert.
Ulrich Kerker studierte an der Kunstakademie Düsseldorf. Nach Lehraufträgen für Druckgrafik dort und an der Universität-Gesamthochschule Siegen leitet er seit 1990 die Druckwerkstatt an der HBKsaar.

Klaus Harth: cut and paste
Die Collage als zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte Technik kann heute als grundlegendes künstlerisches Prinzip gesehen werden. Cut and paste in der klassischen Variante, aber natürlich auch übertragbar auf copy and paste, wie es heute fast alle mehr oder minder gedankenlos gebrauchen. Warum wird aber aus nicht allem Zusammengefügtem gleich ein aussagefähiges Bild?
In diesem Workshop werden wir uns mit der traditionellen Collage beschäftigen. Dinge von einem Kontext in einen anderen Kontext transferieren. Mit Schere und Klebstoff. Die Gedanken in Fluss und Vorstellungen ins Wanken bringen.
Was kann alles eine Collage sein? Was kann alles ein Bild sein? Warum entzündet sich hier ein bildnerischer Funke und dort nicht? Da alles so leicht und einfach scheint, kommt man viel schneller zu dem Punkt, darüber nachdenken zu müssen, wie Bilder funktionieren, und wo man vielleicht ansetzen kann, um zu einer eigenen Sprache zu finden.
Papier wird gestellt. Mitzubringen wären aber Scheren, Klebstoff, Material zum Collagieren (Zeitschriften, Bücher, Kunstdrucke etc.).
Klaus Harth studierte Freie Kunst mit dem Schwerpunkt Zeichnung an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Er arbeitet als freier Künstler, oft spartenübergreifend, zuletzt als Life-Zeichner mit dem Liquid-Penguin-Ensemble, sowie in der Erwachsenenbildung.

Stefan Lausch: Die Welt als Puzzle
Der Workshop nimmt die Idee des Vortrags auf, dass die Collage heute als kritisch-kreatives Mittel gestalterischer Auseinandersetzung mit der erlebbaren Wirklichkeit aktiviert werden könnte. Im Experiment wird dieser Vorschlag erprobt und auch in Hinblick auf kunstpädagogische Situationen diskutiert. Dafür werden die flutartig täglich anfallenden Informationen und Bilder in Zusammenhänge gebracht, die das Ziel einer (bildlichen) Ordnung verfolgen.

Julia Sharon Harz: Digitale Collage in der Unterrichtspraxis
„Wie kann ich unter den Voraussetzungen der momentanen Medienausstattung meiner Schule, den Bereich Digitale Medien im Kunstunterricht umsetzen?“
Wer kennt diese Frage nicht? Und genau hier soll dieser Workshop ansetzen und Impulse für die Unterrichtspraxis geben. Neben der Frage, wie man passende Apps findet, wird eine grundlegende Einführung in den Umgang mit geeigneten Programmen auf Tablets und Smartphones stattfinden. Der Schwerpunkt wird hier auf der Cut and Paste Funktion für die digitale Collage liegen in Hinblick auf die Themenfelder Digitale Medien, Malerei und Grafik der Lehrpläne für Bildende Kunst. Anhand dieser Themenfelder werden Praxisbeispiele vorgestellt, die zur Anregung für die eigene Arbeit dienen. Bitte Smartphone und/oder Tablet mitbringen und gegebenenfalls einen Ordner mit möglichen Bildern anlegen, die bearbeitet werden können.
Julia Sharon Harz ist Lehrerin an der Gemeinschaftsschule Quierschied

 

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