HBKsaar / 15.03.2019 / 09.00-16.00 Uhr

Der Kunstpädagogische Tag 2019 befasst sich mit Spielarten der Urban Art und Street Art und ihren fachdidaktischen Potentialen.  Als Bild, Chiffre, Symbol oder Graffiti, als temporäre Installation oder ad hoc-Aktion, oft mit anonymer, pseudonymer oder kollektiver Urheberschaft, manifestieren sich vielfältige Interventionen im öffentlichen Raum, die mit unterschiedlichen Intentionen produziert und aus unterschiedlichen Perspektiven wahrgenommen werden: als Provokationen und Irritationen, als Kunst für alle oder als Essenz einer Popkultur außerhalb der Unterhaltungsindustrie.

Neue Strategien und Verfahren haben das Spektrum der Urban Art erweitert: Tape Art, Guerilla Knitting, Sticker, Plakatierungen und viele weitere Verzweigungen werden inzwischen zur Urban Art gezählt.

Längst lösen sich aber die definitorischen Grenzen auf: Flächen werden durch Kommunen zum Besprühen freigegeben, großflächige Wandbilder in Auftrag gegeben und die vorher im Geheimen agierenden Akteure und Kollaborateure werden zunehmend im Kulturbetrieb und in der Öffentlichkeit als Künstler gewürdigt. Die Draußen-Kunst ist auch zur Drinnen-Kunst geworden. Sie hat Einzug gehalten in Galerien und Museen, wird auf Messen gehandelt und an die Wand gehängt. Massenmedien und die Werbung bedienen sich ihrer Attitüde und ihrer ästhetischen Codes.  In diesem Spannungsfeld entstehen Widersprüche und Friktionen, aber auch Zwischen- und Leerräume, die sich nicht zuletzt für das ästhetische Handeln von Kindern und Jugendlichen und den Kunstunterricht als fruchtbar erweisen.


Vortrag

Leonore Leonardy Treffpunkt Straße – Perspektiven auf Unruhe

Kunst im urbanen Umfeld, ob als Kunst am Bau, mit Denkmalfunktion oder als künstlerische Selbstbehauptung ist ein vielschichtig diskutiertes Thema. Denn sie ist für jeden und jederzeit sichtbar, manchmal auch hörbar, strukturiert und markiert Stadträume und Architektur, setzt Akzente außerhalb von Schutzräumen wie Museen, Galerien, Ausstellungshallen oder privaten Räumen. Da administrative, bürgerliche und private Akteure dabei aktiv werden und den öffentlichen Raum für sich beanspruchen, sind seine Bedingungen und Grenzen einem steten Aushandlungsprozess unterworfen.

Anhand des unter dem Titel ArtWalk in Saarbrücken dauerhaft angelegten Freiluftmuseums nimmt der Vortrag Bezug auf die Wahrnehmung, den Umgang und die Gestaltung des städtischen, öffentlichen Raums mit Kunst als Bestandteil einer demokratischen Kultur.

Leonore Leonardy ist als Kuratorin und im Kultur- und PR-Management für verschiedene öffentliche und private Auftraggeber weltweit tätig. An der Hochschule der Bildenden Künste Saar unterrichtet sie die Master-Studierenden für den Studiengang Kuratieren/Ausstellungswesen.

Workshops

Workshop 1:

Julia Sharon Harz und Amélie Kremer Graffiti in der Unterrichtspraxis

„Wild-Style? Etching? Outlines? Tags? Writer? Battles? Was ist damit gemeint?“

Das Thema Graffiti verliert nicht nur in der Unterrichtspraxis niemals an Popularität, sondern rückt mit der Thematik der Urban Art von Jahr zu Jahr mehr in den Focus.

In diesem Workshop laden wir zunächst auf eine kleine theoretische Reise durch die Geschichte des Graffiti mit seinen verschiedenen Styles und Begriffen ein und wollen nach diesem Impuls direkt in die Praxis gehen. Hierbei steht zunächst hauptsächlich das Style-Writing im Focus und in verschiedenen Arbeitsschritten soll gezeigt und erprobt werden, wie ein Sketching entsteht.

Der Schwerpunkt dieses Workshops ist so gelegt, dass eine spätere Umsetzung in der Schule, je nach den individuellen Gegebenheiten vor Ort, machbar ist.

Bitte nach Möglichkeit Bleistift, Radiergummi, Marker (falls vorhanden), Wasserfarbkasten, Fineliner schwarz (0,3, 0,5), einen wasserfesten Filzstift/Marker und einen USB Stick mitbringen.

Julia Sharon Harz ist Lehrerin an der Gemeinschaftsschule Quierschied und Graffiti und HipHop seit dem Studium eng verbunden.
Amélie Kremer ist Schülerin an der Fachoberschule für Design und in der Graffiti-Szene aktiv. Ihre Arbeiten sind an verschiedenen Orten und in Ausstellungen zu sehen. Ihre Kenntnisse vermittelt sie in Graffiti-Workshops.

Workshop 2

Strickbombe Was auch immer Du zu sagen hast, sag’ es mit Garn!

Eine wollige Interpretation der modernen Urban Art – die Kombination der traditionellen Strick- und Häkeltechniken mit Graffiti-Kunst und eine großzügige Portion Augenzwinkern. Während des Workshops werden die Ursprünge des Strick-Graffitis, die (eigene) Motivation für Strick-Graffiti, Objektauswahl und die Einsatzmöglichkeiten im schulischen Bereich – auch für Nichtstrickende/-häkelnde – behandelt. Mit diesem Hintergrundwissen, Wolle und Nadeln gewappnet wird natürlich ein (gemeinsames) Strickstück geschaffen, und – obwohl nicht strafbar – klammheimlich angebracht!

Falls verfügbar, Wolle/Wollreste jeglicher Art, Häkelnadel/Stricknadel jeglicher Größe, Stopfnadel etc. mitbringen.

Seit fast 40 Jahren Strickerin/Häklerin, begann die Strickbombe ihr kreatives Treiben in Saarbrücken im Jahr 2010 (www.strickbombe.blogspot.com).


Workshop 3

Armin Rohr Urban Sketching

Wir durchstreifen zeichnend die Stadt. Je nach Wetterlage und Temperatur entweder draußen oder drinnen. Dazu reichen ein Skizzenbuch oder ein Zeichenblock (A4, noch besser A3) und mindestens ein Bleistift. Für alle Fälle auch Buntstifte, Filzstifte oder farbige Kreiden. Man weiß ja nie. Bei schönem Wetter und aufwachender Natur im Frühling am liebsten Aquarell.

Geplant ist ein Abstecher ans Saarbrücker Schloss. Alte & neue Architektur, Panoramablick über die große Stadt, ein Garten, Flora & Fauna, ein Fluss & das Rauschen der Autobahn. Hier ist alles versammelt; mehr brauchen wir nicht.

Wir versuchen uns auf komplexe Situationen einzulassen, neugierig und offen zu sein, um scheinbar Bekanntes wieder einer genauen Beobachtung zu unterziehen und so über die Zeichnung hinter das Wesen der Dinge zu blicken. Funktioniert auch ohne WLAN.

Armin Rohr studierte nach seinem Abschluss als Diplom-Designer Malerei an der HBK Saar. Für seine künstlerische Arbeit erhielt er zahlreiche Stipendien und Preise. Armin Rohr lebt und arbeitet in Saarbrücken und lehrt Zeichnen an der HBK Saar. Seine Arbeiten sind in Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland zu sehen (https://arminrohr.blogspot.com).


Workshop 4

Leonore Leonardy und Studierende WIN YOUR CITY BACK

Im Workshop werden Strategien und Verfahren der Präsentation und Vermittlung von Street Art, Graffiti und Urban Art im öffentlichen Raum und im Ausstellungskontext vorgestellt, diskutiert und in Hinblick auf ihre Potentiale für den Kunstunterricht thematisiert. Ausgangspunkt sind von Studierenden entwickelte Vermittlungskonzepte zum ArtWalk im Saarbrücker Stadtgebiet und zur Ausstellung f[r]ameless in der Galerie der HBKsaar, z. Bsp. Schoolwalks und Workshops von Jugendlichen für Jugendliche, ein ungewöhnlicher Audioguide und Führungen unter dem Titel ›Re-Cover your City‹ auf der Grundlage einer Theorie von hierarchiefreier Vermittlung.

Verlauf

9:00 Begrüßung / Organisatorisches (Langendorf/HBK, Möller/BDK, Karin Maaß/LPM)

Vortrag und Impulse

9:10 Leonore Leonardy: Treffpunkt Straße – Perspektiven auf Unruhe

9:40 Impulse I (je 10 Min)

Julia Harz/Amélie Kremer: Graffiti

Alexandra Blum: Urban Knitting

10:00  Kaffeepause

10:10 Impulse II (je 10 Min)

Armin Rohr: Urban Sketching

Leonore Leonardy (und Studierende): WIN YOUR CITY BACK

Workshops (insg. 4 Std.)

10:30 Workshops (Block 1)

12:00 Mittagspause/Gemeinsames Mittagessen

13:30 Workshops (Block 2)

16:00 Ende der Veranstaltung

Eine gemeinsame Veranstaltung des BDK-Fachverband für Kunstpädagogik im Saarland, des Landesinstituts für Pädagogik und Medien (LPM) und der Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar)

15.03.2019 / 09:00 bis 16:00 Uhr / HBKsaar
Keplerstraße 3, 66117 Saarbrücken

Sie können sich zum  KPT 2019 beim Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) anmelden.

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