13.03.2020 Hochschule der Bildenden Künste Saar

Eine Veranstaltung für Kunstlehrerinnen und Kunstlehrer, Referendarinnen und Referendare und Studierende.

„Performance, Klang und Licht“ sind in der schulischen Praxis – ungeachtet der weitreichenden Präsenz dieser Arbeitsfelder in der aktuellen Kunst – noch immer wenig repräsentiert, wenngleich sie curricular – auch in den saarländischen Lehrplänen – langsam sichtbarer werden. Der Kunstpädagogische Tag 2020 will theoretische Hintergründe vermitteln und praktisch-methodische Impulse geben, eigene Erfahrungen in diesen Feldern zu machen, sowie die Bereitschaft und die Kompetenz fördern, den eigenen Kunstunterricht in diese Bereiche hinein zu erweitern.


Verlauf

8:45 Eintreffen in der Hochschule der Bildenden Künste Saar
9:00 Begrüßung / Organisatorisches
Vortrag und Impulse
9:10 Matthias Winzen Ohne Schein kein Sein
9:40 Impulse I (je 10 Min)
Stefanie Trojan Audiovisuelle Performances
Laura Delitala-Möller Performative Pädagogik
10:00  Kaffeepause
10:10 Impulse II (je 10 Min)
Tina Tonagel Soundart  
Karen Fritz Lichtkunst
Andrea Jahn Aktuelle Ausstellung in der Stadtgalerie
Workshops (insg. 4 Std.)
10:40 Workshops (Block 1)
12:10 Mittagspause/Gemeinsames Mittagessen
13:30 Workshops (Block 2)
16:00 Ende der Veranstaltung


Matthias Winzen
Ohne Schein kein Sein

Die leistungsstarke Performerin in der Firma, der unermüdliche Selfie-Poser im Netz, die prominente Selbstvermarktung von allem Privaten – viele heutige Alltagserscheinungen des Performativen nehmen ihren Anfang in der Phase des historischen Übergangs von der Hofbühne zum Bürgertheater. Damals wurden die Hoftheater nach und nach durch Stadttheater ersetzt. Dem Aufstieg des bürgerlichen Theaters stand die zunehmende Theatralisierung des bürgerlichen Alltags gegenüber. Aus dem festen Gefüge der alten Ständeordnung mit ihren vorgegebenen Lebensbahnen entlassen, musste der Bürger nun etwas aus sich machen und zum Darsteller seiner selbst werden. Seine innovativen Leistungen in Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft musste der Bürger nicht nur erbringen. Sie mussten in Konkurrenz zu vielen anderen, ebenfalls fleißigen Individuen gebührend in Szene gesetzt werden. So begann, was viele Alltags- und Berufsfelder bis heute prägt: Du musst es nicht nur gut machen. Es muss den anderen auch auffallen.

Zum heutigen Verständnis von seelischer Gesundheit gehört die Anforderung an das Individuum, in den wechselnden Situationen des Alltags jederzeit Regisseur und Schauspieler seiner selbst zu sein. Mit meiner Oma spreche ich anders als mit meinem Berufskollegen und bemühe ich mich dennoch stets, dabei ich selbst zu sein. Theater im Alltag muss nicht Täuschung und Verstellung bedeuten, sondern steht für Rollenkompetenz: Ohne Schein kein Sein.

Prof. Dr. Matthias Winzen vertritt das Lehrgebiet Kunstgeschichte und Kunsttheorie an der HBKsaar. Er studierte von 1982 bis 1987 Bildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf bei Alfonso Hüppi, dessen Meisterschüler er wurde. Nach einem Studienaufenthalt in New York begann er 1988 an der Ruhr-Universität Bochum das Studium der Kunstgeschichte, Germanistik und Pädagogik. Für seine Arbeit als Kunstkritiker wurde Matthias Winzen 1994 mit dem Carl-Einstein-Preis für Kunstkritik der Kunststiftung Baden-Würtemberg ausgezeichnet. Ab 1995 war er als Projektleiter Bildende Kunst im Siemens Kulturprogramm tätig und kuratierte hier die Veranstaltungsreihen „Zuspiel“, „Damenwahl“ und „Deep Storage“. Nach seiner Promotion nahm Winzen ab 1998 Lehraufträge an den Kunstakademien München und Düsseldorf wie auch an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg wahr, weiterhin eine Vertretungsprofessur an der Kunsthochschule Universität Kassel. Seit 1999 leitete er als Direktor die Staatliche Kunsthalle in Baden-Baden. Aktuell ist er Direktor des Museums LA 8. An der HBK verantwortet er u. a. die Masterstudiengänge Kuratieren und Museumspädagogik.


Workshops

Stefanie Trojan
Performance – Weniger ist mehr. Reduziertes Arbeiten, konzentriert auf das Verhältnis Körper im Raum.

Im Workshop soll versucht werden, mit möglichst wenig Material auszukommen. Wir arbeiten reduziert sowohl im Außenraum als auch im Innenraum. Dabei wird das Verhältnis von Körper und Raum ausgelotet. Die Situation, der Ort, die Zeit, das Gefühl, die Anderen und das Ich stehen im Vordergrund für die Entwicklung von Performance. Die Erkenntnisse und Erfahrungen im Workshop werden hinsichtlich ihrer kunstunterrichtlichen Anwendbarkeit und Relevanz diskutiert.

Stefanie Trojan hat ihr Studium 2003 mit dem Diplom als Meisterschülerin von Prof. Asta Gröting an der Akademie der Bildenden Künste in München abgeschlossen und zuvor bei Prof. Heribert Sturm das 1. Staatsexamen in Kunsterziehung abgelegt. Sie hat sich auf Performance konzentriert und erhielt einschlägige Preise und Stipendien, unter anderem ein DAAD Stipendium für New York, den Franklin Furnace Fund for Performance Art, ein Stipendium an der Cité Internationales des Arts in Paris und zuletzt ein Stipendium am Deutschen Studienzentrum in Venedig. 2019 hat sie zudem das Studium der Philosophie als Ergänzungsfach für das Lehramt an Gymnasien an der Goethe Universität Frankfurt mit dem 1. Staatsexamen abgeschlossen.

Ihre Arbeiten hat sie unter anderem im Marta Herford, im Paula Modersohn Museum in Bremen, im Kunstmuseum in Stuttgart, im Museum Folkwang in Essen , im Arp Museum in Remagen, im Hof van Busleyden Museum in Belgien, im Grimmmuseum in Berlin,  in der Kunsthalle Basel, im De Appel in Amsterdam, im PS1 in New York, in der Kunsthalle Bielefeld, im Kunstbau/Lenbachhaus in München gezeigt.

Ihre Erfahrungen in der Lehre umfassen Lehraufträge an der Uni Bielefeld und der HBK Braunschweig, Gastvorträge, Workshops Fortbildung für Lehrer*innen und Seminare, beispielsweise an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle / Saale und der Uni Dresden, und Projekte mit Studenten, Schüler/innen und Kindern.


Laura Delitala-Möller
Ich performe, also bin ich. Performative Pädagogik und die Kunst vom Lernen und Lehren

„Performativ“ sind Äußerungen, die das vollziehen, was sie behaupten (Austin, 1986) und „die soziale Wirklichkeit herstellen, von der sie sprechen“ (Fischer-Lichte, 2004).

Performative Pädagogik gestaltet sich anhand von Prozessen, die mit künstlerischem Handeln eng verwandt sind: Nicht das Vermitteln und Reproduzieren von Wissen stehen im Mittelpunkt, sondern die Entstehung eines vernetzten Erfahrungsfeldes (Lehr-Lern-Kontext) um ein bestimmtes Lernthema (Fokus), innerhalb dessen alle lernen und alle lehren.

Gemeinsam werden wir eine Lehr-Lern-Performance gestalten, die mit Hilfe des „Schatzkiste-Modells“ sehr gut in den Kunstunterricht, prinzipiell aber auch in den Unterricht weiterer Fächer übertragen werden kann.

Laura Delitala-Möller, M.A., ist systemische Pädagogin der Ästhetischen Bildung, forscht und lehrt als Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Rahmen der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ im saarländischen Verbundprojekt „Salut“ an den künstlerischen Hochschule HBKsaar und HfM Saar mit dem Schwerpunkt Ästhetische Bildung und Heterogenität im Primarbereich.


Karen Fritz
LightLab – Lichtkunst im Kunstunterricht

Licht im Kontext von Kunst umfasst eine große Bandbreite an Medien, Herangehensweisen, Konzepten und künstlerischen Verfahren (Licht und Projektion, Licht und Malerei, natürliche Lichtquellen, Licht und digitale Medien, usw.). Licht ist essentieller Bestandteil unseres Lebens und bestimmt unsere Wahrnehmung. Es verwundert daher nicht, dass Licht in der Kunst oft phänomenologische Prozesse offenlegt, gewohnte Erfahrungen infrage stellt und sowohl inhaltlich, phänomenologisch als auch medial/technisch ungewohnte Felder beschreitet. Dies geht mit einer neugierig-forschenden künstlerischen Haltung einher sowie der Nähe zu Technik und Wissenschaft.

Im Workshop „LightLab“ stellen wir angeleitete Experimente und Aufbauten vor Ort vor, mit denen die Kursteilnehmer*innen selbst künstlerisch zum Thema Licht forschen. Dabei verwenden wir alltägliche Techniken und Materialien, sodass die Experimente für den Kunstunterricht genutzt werden können und behandeln die Frage nach möglichen konkreten Ergebnissen.  Wir geben einen Überblick über die physikalischen Eigenschaften/Arten von Licht und darüber, wie diese mit unterschiedlichen Gestaltungsmitteln in unterschiedlichen medialen Formen genutzt werden können. Entdeckungen und offene Ergebnisse sind erwünscht. Die praktische Umsetzung für den Schulalltag wird mitkonzipiert, wir freuen uns über gemeinsame Diskussionen und Denkansätze.
(Der Workshop wurde von Karen Fritz, Maria Elena Schmidt, Ida Kammerloch unter Mitwirkung von Ingo Wendt entwickelt und im Rahmen des LightLab Summer Camp 2019 im Kunstmuseum Celle erprobt.)

Karen Fritz studierte Kunsterziehung an der HBK Saar und Germanistik an der Universität des Saarlandes, 2018 absolvierte sie ihr Studium der Freien Kunst zusätzlich mit einem Masterabschluss bei Prof. Daniel Hausig. Sie war Stipendiatin der Annexes Bourglinster, der Fondation François Schneider und des Künstleraustausches Artmix der Stadt Saarbrücken und dem Land Luxemburg. Ihre Arbeiten waren u.a. im Internationalen Zentrum für Lichtkunst Unna, in der Saarländischen Galerie Berlin und bei den Lichtspielen Gelsenkirchen-Buer des Kunstmuseums Gelsenkirchen zu sehen.

Tina Tonagel
Audiovisuelle Performances im Kunstunterricht
– selbstgebaute Instrumente und analoge Projektionen

In diesem Workshop werden aus Alltagsmaterialien wie Drähten, Schnüren, Gummibändern, Dosen, Holz- und Metallresten einfache Musikinstrumente und Klang-Erzeuger gebaut, die mit selbstgelöteten Kontaktmikrofonen verstärkt werden. Nebenbei gibt es eine kleine Einführung in die Elektronik und in den Umgang mit Mischpult und Verstärker.
Ergänzend zu den entstehenden Klängen nutzen wir Tageslichtprojektoren, um analoge Echtzeit-Visuals zu kreieren. Durch den Einsatz von Folien, transparenten Gegenständen, Gläsern oder Lochblechen entstehen schnell und spielerisch eindrucksvolle und poetische Projektionen.
Die Kombination von Klang und Bild ermöglicht verschiendenste performative Gestaltungsmöglichkeiten, mit denen experimentiert werden kann.
Es sind keine Vorkenntnisse im Löten notwendig!

Tina Tonagel ist bildende Künstlerin und beschäftigt sich mit Rauminstallationen, Kinetik und Klangkunst. In ihren audiovisuellen Konzerten nutzt sie Overheadprojektoren für analoge Visuals und kombiniert diese mit verschiedensten selbstgebauten Instrumenten zu raumfüllenden Performances.
Sie studierte Medienkunst an der Kunsthochschule für Medien Köln sowie Kunst und Musik für das Lehramt an der Universität Bielefeld. Sie erhielt mehrere Stipendien, führte zahlreiche Konzerte und Performances im In- und Ausland durch, hält Vorträge und bietet Workshops an.


Eine gemeinsame Veranstaltung des BDK-Fachverband für Kunstpädagogik im Saarland,des Landesinstituts für Pädagogik und Medien LPM und der Hochschule der Bildenden Künste Saar HBKsaar.

Sie können sich zum  KPT 2020 beim Landesinstitut für Pädagogik und Medien (LPM) anmelden.

Studierende geben bitte als Dienstort die Hochschule der Bildenden Künste Saar an.


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